„Landservice-Angebote haben sich vielerorts zu einer erfolgreichen Facette der regionalen Wirtschaft entwickelt, allerdings sind die damit verbundenen Potenziale für Beschäftigung und Einkommen noch lange nicht ausgeschöpft“, so der Grundtenor der gemeinsamen Begleitveranstaltung des Deutschen LandFrauenverbandes (dlv) und des Verbandes der Landwirtschaftskammern (VLK) am 20. Januar 2010 im Rahmen des Zukunftsforums Ländliche Entwicklung auf der Grünen Woche in Berlin. Beide Verbände wollen die Erfolgsgeschichte der Landservice-Angebote unbedingt fortführen. Unbestritten sei, dass hauswirtschaftliches Know-how der LandFrauen einerseits und die Betreuung durch die Beraterinnen und Berater der Kammern anderseits hier die eigentlichen Erfolgsfaktoren sind. Das Ergebnis sind marktkonforme Geschäftsideen, mit denen sich verschiedene Teileinkommen in und außerhalb der Landwirtschaft zu einem ganzen Familieneinkommen kombinieren lassen.
Nach der Begrüßung durch die erste Vizepräsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, Hannelore Wörz stellte Frau Ingrid Wedeking in eindrucksvoller Weise die Potenziale hauswirtschaftlicher Dienstleistungen des LandfrauenService Gütersloh-Bielefeld vor. Die Landservice-Angebote bieten ein Spektrum von landfrischen Spezialitäten aus den Hofläden bis hin zu den „aufbauenden Hilfen“ für Familien und Senioren. Diese vielseitigen Dienstleistungen schaffen Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Sie erhöhen das Familieneinkommen und stabilisieren somit regionale Wirtschaftskreisläufe und gesellschaftliche Strukturen.
„Existenzgründertage und ein Entwicklungskonzept mit vielen Ideen für neue Kooperationen - ein konstruktiver Weg zur Erschließung der Potenziale aus Sicht der Wirtschaftsförderung“, lautete der Vortrag von Dieter Sander, Fachdienst Wirtschaftsförderung Landkreis Verden.
Herr Sander vermittelte u. a. den methodischen Ansatz, den die Wirtschaftsförderung in Verden gewählt hatte. Die besonderen Kompetenzen einer Region herauszuarbeiten und Handlungsfelder zu identifizieren, ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg. Hierfür stehen zum Beispiel die Kompetenzzentren aus dem Technikbereich oder auch das Projekt „regional speisen“. Existenzgründertage machen Mut, die Selbständigkeit zu wählen. Existenzgründungen in Netzwerken: Sie bieten einen Ansatz, um Ideen und Akteure erfolgreich zusammen zu bringen.
Neue Wege im Bereich der Selbständigkeit erzeugen neue Formen der Erwerbsmöglichkeiten: Herr Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkoswky, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, zeigte mit seinen Untersuchungen auf, dass Zu- und Nebenerwerbsgründungen in Teilzeit-Selbständigkeit zunehmen. Es werden dabei vermehrt Gründerinnen verzeichnet. Teilzeit-Selbständigkeit ist eine Erwerbsalternative für Familienfrauen, für eine frühe Gründungsphase oder als Zusatzeinkommen.
Der Deutsche LandFrauenverband sieht im Wesentlichen zwei Ansätze, um die Landservice-Angeboten für die Zukunft wirtschaftlich tragfähig zu gestalten: „Wir wünschen uns, dass Einkommenskombinationen genau wie andere Unternehmensformen von der Gesellschaft anerkannt werden. Meist funktionieren Landservice-Ideen für Frauen nur in Selbstständigkeit und in Teilzeit. „Die Türen der Beschäftigungs- und Wirtschaftsförderung müssen auch für teilzeitselbstständige LandFrauen offen sein“, so die Vizepräsidentin Hannelore Wörz. Der Selbsthilfe-Ansatz des Verbandes heißt Vernetzung. Die LandFrauen-Strukturen geben Halt, fördern den Austausch von Ideen und verleihen den Forderungen Gewicht. „Vor Ort fördert der dlv zudem die Bildung von regionalen Interessengemeinschaften, Landfrauenservice-Agenturen bis hin zu Genossenschaften“, erklärt Wörz.
„Anpassungsbereitschaft und unternehmerische Initiative sind für die Zukunft der ländlichen Räume gefragt“, unterstreicht Johannes Frizen, Präsident des Verbandes der Landwirtschaftskammern. Es ist besonders ermutigend, dass die Initiative zum Einstieg in neue Landservice-Unternehmensfelder häufig von den Frauen ausgeht. Wir müssen unser Unternehmerbild erweitern und die Rahmenbedingungen für Teilzeit-Selbständigkeit verbessern, damit Arbeitsmöglichkeiten und Bleibeperspektiven in ländlichen Räumen entstehen.
In der Beratungs- und Bildungsarbeit der Kammern hat von Schleswig-Holstein bis ins Saarland die Unterstützung landwirtschaftlicher Familien bei der Gründung und Entwicklung neuer Geschäftsfelder ihren festen Platz, so Liselotte Raum von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Zukünftig sollen regionale Netzwerke der verschiedenen Landservice-Sparten sowie zwischen regionaler Wirtschaft und Landwirtschaft etwa zum Austausch von Know-how intensiviert werden.
Präsident Johannes Frizen appellierte an die Forumsteilnehmerinnen und -teilnehmer: „Verstehen Sie diese heutige Veranstaltung als Impuls oder Bestätigung, weiter an den Netzwerken für lebenswerte, aktive ländliche Räume zu knüpfen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie mehr zu den Landservice-Ideen wissen möchten“.
Existenzgründungstage und ein Entwicklungskonzept mit vielen Ideen (Dieter Sander)
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Landservice-Ideen (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen)
Unternehmensgründung und Selbstständigkeit in Teilzeit (Prof. Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky)
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