


Die Folgen der demographischen Entwicklung, des Klimawandels und der weitergehende Strukturwandel auf dem Land vor dem Hintergrund der Globalisierung stellen die ländlichen Regionen vor neue, komplexe Herausforderungen. Hier gilt es rechtzeitig Anpassungsstrategien zu entwickeln, geeignete Rahmenbedingungen für die Förderung der ländlichen Entwicklung und deren effiziente Umsetzung zu schaffen.
Ländliche Räume als eigenständige Lebens- und Wirtschaftsräume sind in ihrer Funktionsfähigkeit nachhaltig zu unterstützen und zu fördern. Die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum muss auch weiterhin über eine starke 1. Säule der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik gesichert werden, bewirtschaftet sie doch 83 Prozent der Flächen und stellt beschäftigungspolitisch gesehen rund 1 Million Arbeitsplätze.
Die Förderinstrumente der 2. Säule, der EU-Strukturfonds und der nationalen Gemeinschaftsaufgaben zur Strukturförderung müssen künftig noch flexibler auf den Bedarf in den einzelnen ländlichen Regionen abgestellt werden. Mit diesem Resümee endete das Fachforum Ländliche Entwicklung 2020 am 21. Januar in Berlin. Veranstalter des Forums waren der Deutsche Bauernverband (DBV) zusammen mit der Agrarsozialen Gesellschaft (ASG), dem Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG), dem Deutschen Landkreistag (DLT), dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB), dem Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) und dem Johann-Heinrich von Thünen-Institut (vTI).
Die Vielfalt von eher kleineren und mittleren Siedlungs- und Unternehmensstrukturen, regionalen Besonderheiten, natürlichen und schutzwürdigen Lebensräumen und abwechslungsreichen Kulturlandschaften ist in ländlichen Räumen Chance und Potential zugleich. Dr. Willi Schulz-Greve (EU-Kommission), Ralf Wolkenhauer (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) sowie Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne (Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz) zeigten die Gestaltungsoptionen auf. Einhellige Aussage: Kreative Lösungen müssen direkt aus der Region kommen. Ganz entscheidend für die regionale Entwicklung sind die Akteure und ihr Engagement vor Ort. Eine effiziente Politik für den ländlichen Raum erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit öffentlicher und privater Akteure, eine weitere Stärkung und Entwicklung ihrer Kompetenzen und die Kommunikation und Diskussion von beispielhaften Lösungsansätzen. Dabei kommt der Vernetzung der einzelnen Politikbereiche eine besondere Bedeutung zu. Die Experten waren sich aber auch darin einig, dass es große Unterschiede zwischen den ländlichen Räumen gibt.
Die gut 300 Teilnehmer des Fachforums diskutierten Förderinstrumente und -bedingungen, die künftig mehr Spielraum und vor allem mehr Flexibilität für die kommunalen und privaten Fordernehmer vor Ort geben sollen. Ländliche Räume in Deutschland sind eigenständige Lebens- und Wirtschaftsräume mit meist hoher Attraktivität als Natur-, Kultur- und Erholungsräume. Boomenden ländlichen Regionen stehen periphere Gebiete gegenüber, die angesichts der demografischen Entwicklung der Abwanderung meist junger Menschen vor der besonderen Aufgabe stehen, eine sich selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung und ausreichende Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Stichworte dieser Diskussion waren unter anderem „Weniger goldene Zügel“, „Regionalisierte Teilbudgets“, „Abbau der Bürokratie“, „Weitere Vereinfachungen bei Cross Compliance“, „Beschleunigung der Genehmigungsverfahren“.
Das Prinzip der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und die LEADER-Methoden können wichtige Ansätze sein, um mit zukunftsfähigen Strategien flexibel und bedarfsgerecht auf die regionalen Besonderheiten einzugehen. Entscheidend für den Erfolg sind stets partnerschaftliche Herangehensweisen auf allen Ebenen und die konsequente Beachtung des Prinzips der Subsidiarität. Herausforderungen, die am besten vor Ort angegangen werden können, brauchen nicht überregional entschieden und gelöst werden.
Gestaltungsoptionen aus der Sicht eines Landes - Freistaat Thüringen (Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne)
1.080 KB
Ländliche Entwicklung 2020 - Gestaltungsoptionen aus Sicht der EU (Willi Schulz-Greve)
890 KB